Unterscheidung einer gutartigen Prostatavergrößerung von Prostatakrebs

Um diese beiden wichtigen und häufigen Erkrankungen zu unterscheiden und um sie richtig zu behandeln, wird ein Stufenprogramm empfohlen. In dessen Mittelpunkt stehen die Anamnese, die klinische Untersuchung, die Sonographie und Labormessungen. Besteht der begründete Verdacht auf einen bösartigen Tumor der Prostata, lässt sich die Entnahme von Gewebeproben nicht umgehen.

  • Anamnese inkl. Medikamentenanamnese
  • Internationaler Prostata-Symptomscore (IPSS), mit dem die bestehende Symptomatik mit einem Fragebogen klassifiziert werden kann (leicht-mittel-schwer).
  • Körperliche Untersuchung
  • Abtasten der Prostata (digital-rektale Untersuchung)
  • Urinuntersuchungen inkl. Urinflussmessung
  • Sonographie
  • Nieren: zum Ausschluss/Nachweis von Nierensteinen, Harnstau oder Tumor
  • Prostata: zur Größenbestimmung, größere Genauigkeit durch transrektalen Schall (TRUS)
  • Harnblase: wesentlich zur Restharnbestimmung
  • Laboruntersuchungen (PSA-Bestimmung nach umfassender Aufklärung über mögliche Folgen, Infektionsdiagnostik, etc.)

 

Männern wurde bisher ab dem 50. Lebensjahr eine jährliche PSA-Bestimmung empfohlen. Der Schwellenwert zur Indikation zu einer feingeweblichen Abklärung durch eine Biopsie liegt bei 4 ng/ml. Wird bei 2000 Männern im Alter von 65 Jahren ein PSA-Wert bestimmt, findet sich bei 200 Männern ein erhöhter PSA-Wert, bei 40 Männern eine positive Biopsie. 20 Männer haben ein behandlungsbedürftiges PCA. Von diesen haben 8 ein tödliches PCA und nur 3 können geheilt werden. Deshalb wird immer mehr dazu übergegangen, nicht mehr den Schwellenwert für eine Biopsie zu Grunde zu legen, sondern es wird stärker der PSA-Verlauf beachtet. Damit will man die Häufigkeit von Biopsien reduzieren, da diese für den Betroffenen unangenehm und nicht ohne Nebenwirkungen sind.

 

Mit Hilfe von PSA-Bestimmung können gutartige und bösartige Prozesse der Prostata unterschieden werden. Insbesondere im PSA-Graubereich zwischen 4–10 ng/ml existieren unterschiedliche Ansätze, um das Ergebnis besser zuordnen zu können. Dabei werden das Volumen, der Quotient aus freiem- und Gesamt-PSA und der PSA-Anstieg im Zeitverlauf berücksichtigt. In einer neuen Leitlinie der Fachgesellschaft, die für alle Prostatazentren einen starken Empfehlungscharakter hat,  wird die erste PSA-Bestimmung mit 45 Jahren empfohlen. Die Höhe des PSA-Wertes erlaubt eine Aussage zum PCA-Risiko im Alter von 75 Jahren. Ist der PSA-Wert < 0,5 ng/ml, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 4%; ist er zwischen 1 – 2ng/ml, liegt sie bei 20% und ist er >3ng/ml liegt sie bei 60%. Entsprechend diesem Risiko können die weiteren Kontrollen festgelegt werden.

Der PSA-Wert diagnostiziert nicht das Prostatakarzinom, sondern stellt die Indikation zur einer weiteren Abklärung. Denn eine eindeutige Diagnose kann nur durch die Entnahme von 10-12 Gewebeproben erfolgen. Am häufigsten wird die Prostata ultraschallgesteuert über den Mastdarm (transrektal) biopsiert. Vor und nach der Biopsie erhält der Patient ein Antibiotikum. Als wesentliche Komplikationen werden in ca. 2% Entzündungen sowie schmerzlose Blutbeimengungen im Urin und Ejakulat in bis zu 40 % der Fälle beobachtet.